Verband Bernischer Bienenzüchtervereine

Wenn sich Imker und Bauern treffen

Am Mittwoch, 26. Juni hat der Bauernverein Fraubrunnen in Mattstetten zum Sommeranlass eingeladen. Ruedi Ritter von der Fachstelle Bienen hielt einen Vortrag mit dem provokativen Titel: „Bienensterben: Was ist Sache?“. Zur Freude von Markus Lüscher, Präsident des Bauernvereins, folgten der Einladung viele Bäuerinnen und Bauern, Imkerinnen und Imker sowie Personen mit „Doppelfunktion“: Imkernde Landwirte und Imkerinnen aus der Landwirtschaft. Ziel des Abends sei, miteinander zu diskutieren und voneinander zu lernen, stellte Markus Lüscher in seiner Einleitung klar.

Ruedi Ritter gibt einen Überblick zur Lage der Bienen im Kanton Bern. Zuerst hält er jedoch fest, dass die Ursachen für den Insektenrückgang und Bienensterben nicht ganz bekannt sind. Es gibt viele Faktoren wie Futtermangel, Lichtverschmutzung, verschiedene chemische Stoffe (nicht nur Pflanzenschutzmittel), fehlenden Nistplätzen, Klimawandel oder Räuber. Im Vergleich zu anderen Insekten sei die Honigbiene jedoch weniger betroffen, weil die Lebensweise im Volk Umweltfaktoren besser „puffern“ könne. So habe es im Mittelland im schweiz- und europaweiten Vergleich eine hohe Dichte an Honigbienen. Deshalb solle nicht das Ziel sein, mehr Honigbienen zu halten, sondern die Förderung von Wildbienen. Denn rund 45 % der einheimischen Wildbienenarten stehen auf der Roten Liste.

Auch das Thema Mähverluste und Bienenvergiftungen wurde aufgegriffen. Ruedi Ritter zeigte an einem Beispiel, wie Mähverluste gemessen werden können und appelliert an die Landwirte, in die Wiese zu stehen, bevor gemäht wird. Denn nur so sieht man, ob Bienen in der Wiese vorhanden sind oder nicht. Denn nicht immer wo etwas blüht, sind auch Bienen vorhanden. Besonders hohe Mähverluste gibt es beim falschen Einsatz von Mulchern und Mähaufbereitern: Hier sterben 50-70 % der vorhandenen Bienen. Bei Messerbalken-, Scheiben- oder Trommelmähwerken ohne Aufbereiter liegen die Verluste mit 5 % deutlich tiefer. Um auch andere Insekten zu schonen, wird beim Mähen von Biodiversitätsförderflächen auf den Aufbereiter verzichtet. Ein gut eingesetzter Mulcher kann auch Bienen retten, wenn so zur richtigen Zeit Bestände gemäht werden.

Für die gefährdeten Wildbienen oder Solitärbienen sind die Stängel der Bundbrachen oder die Rückzugsstreifen, welche die Bauern stehen lassen, sehr wichtig als Überwinterungsquartier. Auch lückige, besonnte Standorte sind wichtig und dienen als Nistplatz. Einheimische Heckenpflanzen, bieten Wild- aber auch Honigbienen ein wichtiges Nahrungsangebot.

Der vermehrte Einsatz von Gründüngungen kommt den Wildbienen zugute: Spätblühende Gründüngungen können Wildbienen Nahrung bieten, für Imker zeigt sich dies jedoch als eine Herausforderung bei der Planung der Fütterung. In den letzten Jahren ist es gemeinsam gelungen, die Landwirtinnen und Landwirte auf die Thematik zu sensibilisieren. Erfreulich ist, dass die Bienenvergiftungsfälle in den letzten Jahren zurückgegangen sind. Am Thema muss man jedoch „dranbleiben“, da sind sich alle einig.

Hans Jörg Rüegsegger, Präsident des Berner Bauern Verband stellte fest, dass in der Landwirtschaft noch immer Handlungsbedarf besteht und die Sensibilisierung wichtig bleibt. Es ist in diesem Bereich auch schon viel umgesetzt worden. So pflegt der Berner Bauern Verband eine enge Zusammenarbeit mit dem Verband Bernischer Bienenzüchtervereine, der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) sowie Ruedi Ritter, Fachstelle Bienen. In dieser Zusammensetzung wurde in einem Projekt eine Bienenweide-Mischung entwickelt, welche die Trachtenlücken füllen soll und keine negativen Auswirkungen wie Verunkrautung auf Nachfolgekulturen hat. Das heisst eine Mischung, die von der Praxis auch eingesetzt werden kann.

Hans Jörg Rüegsegger betonte an diesem Abend, dass ein solcher Austausch und Zusammenarbeit wichtig sei, um gemeinsam weiterzukommen.

Zusammenfassend nehmen die Bauern und Bäuerinnen mit, dass man im richtigen Zeitpunkt das richtige tun muss, sei es beim Einsatz von Mulchgeräten, beim Mähen oder beim Pflanzenschutz. Hier ist auch die Aus- und Weiterbildung wichtig, für die sich der Berner Bauern Verband engagiert.

Anschliessend an den Vortrag wurde bei Pommes und Bratwurst weiter diskutiert. Es wurde gefragt, gefachsimpelt und Erfahrungen ausgetauscht - so wie sich dies Markus Lüscher am Anfang des Abends gewünscht hatte.